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Legasthenie

Legasthenie ist eine spezielle Form der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS).
 
LRS wird unterschieden in Kognitve LRS (durch Intelligenzmangel erklärbare LRS) und in eine Intelligenzunabhängige LRS. Die Legasthnenie gehört zu den intelligenzunabhängigen Form.
 
Es gibt nicht die eine Legasthenie. Sie kann in unterschiedlicher Form auftreten.
Betroffen sein kann nur das Lesen oder nur das Schreiben. Häufig treten sie aber zusammen auf.
Auch kann eine Legathenie zusammen mit einer Dyskalkulie (Rechenschwäche) vorkommen.
 
Weiter wird in verbale Legasthenie und  literale Legasthenie unterschieden.
Die literale Legasthenie bezeichnet die Schwerstform der Legasthenie.
Betroffene Kinder können meist überhaupt keine Buchstaben erlernen oder die Verknüpfungen zwischen den Buchstaben und den Lauten gelingt nicht.
 
Die verbale Legasthenie wird in eine kurzfristeige Entwicklungslegasthenie oder eine Legasthenie unterschieden.
 
Die Legasthenie kommt in unterschiedlichen Schweregraden daher.
Meist wird zwischen leicht, mittel und schwer unterschieden.
 
Diese wiederum wird in primär und sekundär unterschieden.
Eine Legasthenie im "Anfangsstadium" ist eine Primärlegasthenie.
Es liegt nur eine Legasthenie vor. Diese kann auf pädagogisch-didaktischer Ebene trainiert werden.
Von einer Sekundärlegasthenie spricht man, wenn zu einer Legasthenie durch ständige Misserfolge, Demütigungen oder Ablehnungen psychologische Probleme entstanden sind. Dann ist es nötig weitere Spezialisten wie Psychologen und Ärzte miteinzubeziehen.
 
Nach internationalen Klassifikationen (DSM-IV TR und ICD-10) liegt eine andauernde Lernstörung vor, wenn bei min. durchschnittlicher (IQ > 85) oder bei überdurchschnittlicher Intelligenz, trotz angemessener unterstützender Lernangebote, schulische Leistungsergebnisse weit unter dem durchschnittlichem Bereich liegen.
Liegt der IQ unter 85 wird von einer Lernbehinderung gesprochen.
 
Danach wäre Legasthenie/Dyskalkulie eine Krankheit, was aus dem Namen hervorgeht ICD (international Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) steht für internationale statistische Klassifikation von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme.
 
Auch hier ist sich die Wissenschaft nicht einig. Diese Definition stützt sich darauf, dass die Legasthenie aus einer neurologischen Störung resultiert. Neuere Studien bestätigen die unterschiedlichen Hirnaktivitäten, sehen in ihnen aber nicht den Auslöser, sondern als Folge von andere Beanspruchung.
 
Pädagogische Definition von Dr. Astrid Kopp-Duller (1995):
"Ein legasthener Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen (Sinneswahrnehmungen) anders empfindet als nicht legasthene Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens.“
 
Legasthene Menschen sind weder lernschwach noch lerngestört, sie haben lediglich eine andere Informationsverarbeitung und damit verbunden eine andere Lernfähigkeit.
Diese werden durch differente Sinneswahrnehmungen verursacht. Durch diese differenten Sinneswahrnehmungen kommt es zeitweise zur Unaufmerksamkeit (wenn sie auf Symbole wie Buchstaben oder Zahlen treffen) und deshalb zu Wahrnehmungsfehlern. Wahrnehmungsfehler verursachen Rechtschreibfehler und "Schlampigkeitsfehler".
Diese können in unterschiedlichen Bereichen liegen.
 
Sinnwahrnehmungs-Bereiche

Sinneswahrnehmungen

Wir erleben die Umwelt, unsere Mitmenschen und unser Selbst nur vermittelt durch unsere Wahrnehmungen. Diese werden durch unsere Sinne (Fern- und Nähesinne) wahrgenommen. Unseren Sinnen werden ständig Informationen (Reize) presentiert, diese müssen aufgenommen, gefiltert, verarbeitet, bewertet und interpretiert werden. Passen diese Reize, beinflussen sie (wir) aktiv die Umwelt. So lernen wir sinnvolles Handeln und erlangen ein mentales Modell von der Welt. Wahrnehmung ist also zum größten Teil erlernt.
 
Wahrnehmungen lösen Empfindungen aus wie: Kläte, Wärme, Schmerzen, Wohlempfinden, Angst u.v.m. Ist die Wahrnehmungskette an einer Stelle gestört kann es zu Wahrnehmungsfehlern (Täuschungen) kommen.
Mehrere Studien legen nahe, dass Kinder und Jugendliche mit Legasthenie/Dyskalkulie eine differente Sinneswahrnehmung haben. Weitere Studien haben gezeigt, dass gezieltes Training der beeinträchtigten Sinneswahrnehmungsbereiche zu verbesserter Wahrnehmung für Lesen, Schreiben und Rechnen beitragen kann.
Bei Erwachsenen hilft dieses Training leider nicht mehr, da bestimmte Reifungspresse des Gehirns bereits abgeschlossen sind.
Nach der AFS-Methode des EÖDL werden acht Sinneswahrnehmungen in drei Bereiche unterteilt.
 

Wahrnehmungsbereiche

Zum Bereich Optik (= das Sehen) gehören:
- Optische Differenzierung (OD)
  Optisch ähnliche Dinge werden als ungleich erkannt.
  Optisch gleiche Dinge werden als gleich erkannt.
- Optisches Gedächtnis (OG)
  Gesehendes behalten, abzuspeichern und auch wiederzugeben.
- Optische Serialität (OS)
  Gesehende Dinge werden der richtigen Reihenfolge nach geordnet.
 
Zum Bereich Akustik (= das Hören) gehören:
- Akustische Differenzierung (AD)
  Gleiches und ungleiches zu Hören und es auseinander halten können.
- Akustisches Dedächtnis (AG)
  Gehörtes behalten, abzuspeichern und auch wiederzugeben.
- Akustische Serialität (AS)
  Akustische Eindrücke der Reihe nach ordnen können.
 
Zum Bereich Raumwahrnehmung (= Raumlage) gehören:
- Raumorientierung (RO)
  Raum- und Zeitgefühl
  Größen und Einheiten einschätzen können
- Körperschema (KS)
  Den eigenen Körper kennen und nutzen zu können
  Unterscheidung von rechts und links